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Triathlon - mein erstes Mal - die Abrechnung

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“… Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Entsprechend diesem Motto haben Mark und ich letztes Jahr in Traun beschlossen heuer unseren ersten Triathlon zu bestreiten. „I´m a Survivor!“  Ich habe überlebt und war nicht Letzter. Ziel erreicht. Lest unten wie es mir ergangen ist.

Nun stehe ich hier, einige Tage nach dem Mostiman Triathlon in Wallsee und kann sagen „Ich bin ein Finisher“. Ich reihe mich quasi nahtlos hinter vielen Triathleten vor mir ein, darunter auch der aktuelle Olympiasieger Kristian Blummenfelt, der sich hier letztes Jahr den Sieg holte.

Ich habe mir für diesen Start extra einen TRI-Kagran Tri-Suit zugelegt. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte ich es nicht für möglich gehalten jemals etwas so enges zu tragen. Aber die Zeiten ändern sich. Ob es mir geholfen hat, lässt sich schwer sagen, denn gefühlt war ich so langsam unterwegs wie nie zuvor. 

Schwimmen im Eisbach, nein, nur ein Seitenarm von der Donau, aber das Wasser war eisig. Fast alle trugen einen Neoprenanzug, Mark und ich hatten keinen. „Nur die Harten kommen in den Garten“ sagte ich mir und gab den anderen Startern ein wenig Vorsprung, schließlich wollte ich es nicht drauf anlegen einen Fuß ins Gesicht zu bekommen. Die Strecke führte um 2 rosarote Bojen herum über 750 Meter zum Ausstieg. Wie ich während des Schwimmens erfahren musste, war die Temperatur auf der gegenüberliegenden Seite des Donauarms noch viel kälter als beim Einstieg, aber das störte mich nicht. Viel schlimmer war es hingegen kaum mehr Luft zu bekommen. Daher beschloss ich einen kleinen Teil der Strecke auf dem Rücken zu schwimmen. Dabei sah ich einen anderen Starter der offenbar die gesamte Strecke auf dem Rücken schwimmend zurück legte. Das Erschreckende dabei, er war schneller als ich…

Don´t wish it was easier, wish you were better“ besagt ein Dogma der Crossfit Community. Leicht gesagt, denn alles was man kann ist leicht. Aber es steckt hier sicher ein Funken Wahrheit in der Aussage. Man kann das Spiel nicht verändern aber sich selbst. Als ich endlich das rettende Ufer erreichte war Mark bereits auf und davon, er hat wirklich eine sensationelle Schwimmzeit hingelegt und war somit gut 2 Minuten vor mir aus dem Wasser.

Beim Ausstieg wurde ich von vielen Zuschauern, ich nehme an es waren TRI-Kagraner konnte aber kaum was sehen, erwartet und angefeuert. An dieser Stelle ein großes DANKE an alle die mich so toll angefeuert haben. Es muss geholfen haben, denn sonst wäre ich nicht ins Ziel gekommen.

 So schleppte ich mich in die Wechselzone, wo mein Rad schon auf mich wartete. Ich schaffte es irgendwie die Schuhe richtig anzuziehen, den Helm aufzusetzen und das richtige Rad zu erwischen, mehr ferngesteuert als beabsichtigt lief ich aus der Wechselzone, sprang auf mein Rad und fuhr los. Der unter Mostimännern bekannte „Todeshügel“ lag vor mir. Ich war gewarnt und ging mit entsprechender Vorsicht an die Sache heran. Kaum dort angekommen wurde ich von einer Meute jubelnder Locals, die von ihren Vorgärten aus den Bewerb beobachteten, den Hügel quasi hinaufgepeitscht und oben wartete ein DJ mit seinem Soundsystem auf mich. Die Musik schallte so derart laut in mein Gesicht, dass ich den Hügel fast wieder hinunter gerollt wäre. „Geschafft, es kann nur mehr leichter werden“, dachte ich zumindest.

Im Nachhinein gesehen kostet mich die Radstrecken - Beschreibung des Veranstalter nur mehr ein Schmunzeln. „Das Radfahren findet auf einer großteils flachen Strecke statt,  bei der 2 Anstiege zu bewältigen sind….

Denn der „zweite Anstieg“ führte mich, gefühlt, auf den Himalaya. Schier endlos erschien mir der Weg hinauf, meine Waden und Oberschenkel brannten wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ich hielt laufend Ausschau nach Reinhold Messner in der Hoffnung er würde mir seinen Sauerstoff überlassen. Aber er kam nicht. Dafür aber kamen viele andere Triathleten auf ihren superlässigen Carbonrädern und zogen an mir vorbei als ob sie auf der Flucht vor dem Yeti wären. 

Später stellte sich heraus, sie waren fast 20 Jahre jünger als ich.

Zum Glück war der Anstieg irgendwann mal zu ende und es ging bergab, also die Radstrecke meine ich. Mit einem Affentempo rauschte ich den Berg wieder hinunter und konnte einige Triathleten überholen, ich hatte volles Vertrauen in meine Scheibenbremsen. Plötzlich bog ich in die Zielgerade vor der Wechselzone ein und dort warteten wieder zahlreiche TRI-Kagraner auf mich und feuerten mich richtig an. So kam es dass ich mich ein zweites Mal in der Wechselzone wieder fand, vollkommen erschöpft. Aufgeben wäre so einfach gewesen…

Rest while you run“ dachte ich mir und schlüpfte in meine Laufschuhe, die ich mit viel Babypuder versorgt hatte um leichter hinein zu kommen. Nur noch 5 Kilometer lagen vor mir und ich machte mich auf den Weg diese zu überwinden, was natürlich aufgrund der Vorbelastungen zu einer weiteren Zerreißprobe wurde. Die Luft war heiss, der Boden brannte und die Beine waren schwer. 3 Laufrunden galt es zu absolvieren, in jeder Runde wurde ich von freundlichen Mostiman-Helferleins mit Wasser versorgt und von TRI-Kagranern motiviert nochmals alles aus mir herauszuholen.

Auf den letzten Kilometern „begleitete“ mich auch noch mein Sohn Noah, der mich unentwegt anfeuerte und mich dadurch voran trieb. So gelang mir auch noch ein richtiger Zielsprint, und ich konnte noch einige Triathleten überholen. 

1:21:12 lautet meine Zeit, Rang 53, Klassen Rang 12 (40-49 Jahre).

Mark war sogar noch etwas mehr als 3,5 Minuten schneller und liegt damit auf Klassen Rang 9 (40-49 Jahre), Respekt!

Man hat mir gesagt, ich habe im Ziel eine Medaille bekommen aber erinnern kann ich mich nicht daran. Erschöpft fand ich mich auf der Wiese hinter dem Zieleinlauf liegend wieder, umringt von Kindern die mich mit Wasser und ISO-Getränken versorgten. Keine Ahnung wie lange ich dort lag.

Während des Rennens hat mich mein Verstand mehrmals gefragt: „Warum tust du dir das eigentlich an?“ Ich konnte die Frage nicht beantworten, ich wusste nur dass ich ins Ziel kommen will, egal wie.

Würde ich es wieder tun?

Ganz klar JA, auf jeden Fall, nur schneller und besser.

Würde ich anderen empfehlen es auch zu versuchen?

Ebenfalls ganz klar JA, es ist eine tolle Erfahrung, die einem niemand mehr nehmen kann und die Vorbereitung ist eine Aufgabe an der man wächst

Mein Fazit:

Beim ersten Mal tuts noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr und heute weiss ich, daran stirbt man nicht mehr“ lautet der Text aus einem Radiohit in meiner Kindheit. 

Liebe (noch) Nicht-Triathleten, traut euch, versucht es, überwindet euch, gebt euch einen Ruck. Es muss ja nicht der bergige Mostiman Triathlon mit seiner flachen Radstrecke sein, sondern ein Volkstriathlon, oder ein 10tel Man oder was auch immer, aber versucht es einfach selber. Es ist knallhart und nicht allen wird es gefallen aber, um es mit meinen einleitenden Worten zu beenden: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

-Jörg-

2. August 2021